Viola ist Moderatorin, Redakteurin und Produzentin – im Fall vom Entertainment-Kanal VORZOCKER auf Youtube sogar gleich alles drei. Darüber hinaus ist sie Jurorin für den Medienpreis Games. Uns beantwortet sie Fragen zu ihrer Vergangenheit bei GIGA, welche Projekte ihr am Herzen liegen und wie sie heutigen Games-Journalismus einschätzt.

Hi Viola, du warst damals einige Jahre bei GIGA. Wie war die Zeit für für dich? Wirst du heute immer noch nach Autogrammen gefragt?
Die GIGA-Zeit war definitiv unbeschreiblich, natürlich mit Höhen und Tiefen, aber eben unheimlich prägend. Vor allem, weil es für mich und die meisten anderen ja auch der erste “richtige” Job war. Wir waren jung und brauchten das Geld – davon haben wir bei GIGA zwar nicht wirklich viel bekommen, dafür aber jede Menge einmalige Erlebnisse und eine Art permanentes Klassenfahrt-Gefühl. Natürlich kennen mich auch heute noch viele Leute von damals, allerdings hat die Frage nach Autogrammen in den letzten Jahren stark abgenommen: Alle wollen nur noch Selfies…

Als GIGA eingestampft wurde, wie ging es für dich weiter? War für dich immer klar, dass du beim Games-Journalismus bleiben möchtest oder bist du erst mal in ein Loch gefallen?
Ich habe das Ende ja zum Glück frühzeitig kommen sehen und GIGA bereits ein halbes Jahr vorher verlassen, um mich selbstständig zu machen. Deshalb bin ich auch nicht in ein Loch gefallen, sondern habe direkt angefangen, als freie Redakteurin zu schreiben (u.a. für Gameswelt) und als Moderatorin für Online- und TV-Formate zu arbeiten. Das hat bis heute sehr gut geklappt, insofern war es für mich damals der absolut richtige Schritt. Und auch wenn ich heute thematisch breiter aufgestellt bin, also z.B. auch die Bereiche Technik und Unterhaltungselektronik, Kino, generelle Jugendthemen etc. abdecke, ist die Games-Branche doch immer noch meine Haupt-“Familie”.

Heute machst du „VORZOCKER“ auf YouTube. Setzt du damit etwas um, worauf du persönlich lange hingearbeitet hast? Ist VORZOCKER eine Herzensangelegenheit für dich?
VORZOCKER ist ja 2012 als TV-Sendung für Animax und AXN gestartet, inzwischen aber “nur” noch ein Youtube-Kanal, den ich und die Jungs im Prinzip neben unseren Berufen als Hobby betreiben. Wir liegen bei etwas unter 50.000 Abonennten, was leider nicht annähernd im relevanten Bereich ist, um damit Geld zu verdienen. Insofern: Ja, der Kanal ist eine absolute Herzensangelegenheit für mich. VORZOCKER ist meine kreative Spielwiese und vor allem eine Möglichkeit, mit der Community in Kontakt zu sein. Wir haben viele langjährige, sehr liebe und loyale Zuschauer und das würde ich nicht missen wollen. (*räusper* Falls das jemand liest, der trotzdem gern Geld in den Kanal investieren würde, darf er sich gern melden…!)

Wie siehst du den Games-Journalismus heute?
Puuh, schwierige Frage. Insbesondere deshalb, weil ich mich in den letzten Jahren zunehmend aus dem Bereich Journalismus zurückgezogen habe und eher Aufträge aus der Industrie annehme. Ganz einfach, weil ich ja nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Videoproduzentin tätig bin, und es in dem Bereich mehr für mich zu tun gibt. Ehrlich gesagt, hat es sich für mich schlichtweg finanziell nicht mehr gelohnt, klassische Artikel zu schreiben. Wenn beispielsweise von einem großen Gaming-Portal nur 50 bis 100 Euro für einen Test geboten werden, der aber natürlich einige Tage an Arbeit bedeutet, dann ist das für mich nicht machbar – und für die Qualität des Gaming-Journalismus hierzulande meiner Meinung nach auch nicht gerade förderlich. Mir ist klar, dass alle Verlage mit großen Einbußen in den Anzeigeneinnahmen zu kämpfen haben und ich habe dafür spontan auch keine Lösung in petto. Tatsache ist aber, dass es sehr schwer geworden ist, als freier Spiele-Journalist über die Runden zu kommen.

Für den Medienpreis Games können auch Let’s Plays eingereicht werden. Sind diese deiner Ansicht nach ein journalistisches Format oder können es sein?
Das kommt ganz darauf an, was inhaltlich vermittelt wird. Ein Let’s Play kann durchaus ein journalistisches Format sein, wenn derjenige, der spielt, seinen Zuschauern mehr als nur ein paar lustige Kommentare und Wutausbrüche bietet. Eine Beurteilung oder zumindest Einordnung des Spiels, das Vermitteln von Hintergrundinfos, Vergleiche mit anderen, ähnlichen Games undsoweiter kann hingegen ein Let’s Play zu einem sehr schönen journalistischen Gesamtpaket machen. Letztendlich ist ja witzigerweise genau das, was wir früher bei GIGA Games gemacht haben, eine Art Vorstufe der heutigen Let’s Plays gewesen: Wir haben live gezockt und unseren mehr oder weniger qualifizierten Senf dazu abgegeben.

Danke für deine Zeit, Viola!

Noch bis zum 09. April können Beiträge für den Medienpreis Games eingereicht werden!

www.medienpreis-games.de/