Fabu ist funk-Redakteur bei GameTwo, Blogger auf Superlevel, Podcaster, und schickt dazwischen immer mal wieder Tweets ins virtuelle Universum hinaus. Uns verrät er, wie Fernsehsender auf Dauer ihre Taktik ändern müssen, um auch ein jüngeres Publikum wieder mehr anzusprechen.

Hi Fabu, Als Pommesbudenbesitzer und Sozialarbeiter hattest Du anständige Jobs und viel mit Menschen zu tun – warum bist Du danach in den Games-Journalismus abgerutscht?
Meine vorigen Berufe eignen sich hervorragend für Anekdoten und in der Kreativbranche kann man mit bunten Lebensläufen durchaus punkten, aber letztlich waren das knochenharte Jobs, die mich an den Rand des Ertragbaren drängten. Als Besitzer eines Imbisses hatte ich eine 7-Tage-Woche, musste mich nebenher aber auch noch um Dinge wie Buchführung und meine damalige Beziehung kümmern. Das alles in Kombination mit permanenter Geldnot und fehlender Erfahrung (ich war 19) sorgte schließlich dafür, dass ich nach zwei Jahren das Handtuch warf und in Hamburg meinen Zivildienst antrat.

Im Zuge dessen landete ich als Betreuer in einer Wohngruppe für Erwachsene mit geistigen Behinderungen. Das gefiel mir ausgesprochen gut, ich wurde direkt übernommen und blieb dann etwa über zwölf Jahre. Die Hälfte davon arbeitete ich in einer geschlossenen Einrichtung. Das war eine unglaublich wichtige Zeit, die mich stets erdete und auch Empathie und Deeskalation lehrte, doch irgendwann war mein Akku einfach leer. Ich hatte das große Glück, als Autodidakt im Spielejournalismus Fuß fassen zu können. Die daraus resultierenden Einbußen in Bezug auf die gesellschaftliche Relevanz meiner Tätigkeit, kompensiere ich mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit als gesetzlicher Betreuer für Menschen, die im Leben weniger Glück hatten als ich.

Von außen betrachtet ist Superlevel die Antithese zum ZDF – was ist der krasseste Unterschied, und worin besteht die überraschendste Gemeinsamkeit?
Naja, der größte Unterschied dürfte die Unabhängigkeit gewesen sein, die uns inhaltlich zur Verfügung stand. Eigentlich ging’s nie darum, etwas zu tun, was erwartet wurde oder der Markt vorschrieb, sondern was der jeweilige Autor ganz individuell präferierte. Die überraschendste Gemeinsamkeit, zumindest für Außenstehende, war die Maschienerie im Hintergrund. Was nach außen für viele nach Punkrock und Anarchie aussah, war tatsächlich viel Struktur, Planung, Lektorat, Kommunikation und Pflege. Böse Zungen könnten es auch als spießig bezeichnen.

Wie groß sind die Chancen, dass Games in Zukunft auch außerhalb des “funk”-Programms bzw. abseits des Programmrands stattfinden werden?
Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit. Es gab mit “Pixelmacher” und “Reload” ja bereits wertige Sendungen im TV, aber man versteckte sie auf Nischenkanälen und setzte sie irgendwann ab, obwohl die Kritik weitesgehend positiv ausfiel. Nun ist es aber so, dass die Spielebranche inzwischen mehr Geld erwirtschaftet als die Filmbranche und mit dem wirtschaftlichen Erfolg erhöht sich auch die Relevanz der Berichterstattung. Was heute die “Sportschau” ist, wird irgendwann die “eSportschau” sein.

Können deutsche Fernsehsender den Trend zur Überalterung ihrer Zuschauer bremsen, wenn sie mehr Games ins Programm nehmen?
Nein, das Problem sitzt viel tiefer. Wir leben in einer derart kurzlebigen und stressigen Zeit, dass das lineare Programm mehr und mehr an Bedeutung verliert. Ich möchte mich nicht, so toll ein Programm auch sein mag, um 18:45 Uhr vor den Fernseher setzen müssen. Deswegen sind Dienste wie Netflix und YouTube ja auch so populär. Meiner Meinung nach ließe sich die Überalterung zumindest abdämpfen, wenn Entscheider_innen jünger würden und somit mehr Verständnis für anvisierte Zielgruppen aufbrächten. Außerdem müssen Inhalte dauerhaft online zur Verfügung stehen und sowohl von Plattform als auch Tonalität her auf ein jüngeres Publikum zugehen, ohne aufgesetzt zu wirken. Deswegen halte ich etwas wie “funk” durchaus für taktisch klug, um neue Zielgruppen zu erschließen.

Findest Du, dass Games in den Redaktionen die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen?
Das ist natürlich von Redaktion zu Redaktion sehr unterschiedlich. Es gibt Publikationen, da schlage ich nur die Hände über dem Kopf zusammen und zweifel an der gesamten Menschheit, während im nächsten Moment an anderer Stelle etwas ganz Wunderbares veröffentlicht wird. So oder so nehme ich eine Bewegung wahr. Inzwischen werden vermehrt Inhalte und Denkweisen kritisiert, die vor einigen Jahren noch gang und gäbe waren. Wenn in der Gesellschaft also z.B. Sexismus -Diskussionen an Relevanz gewinnen, färbt das auch auf Entwickler und Redaktionen ab, weil sich Ignoranz kaum jemand leisten kann, der früher oder später nicht selbst ignoriert werden will. Kurz: Die Wertschätzung nimmt spürbar zu, hat aber noch lange nicht das Potenzial erschöpft. Das haben Spiele aber auch noch nicht.

Wenn Du morgen zum Intendant des ZDF ernannt werden würdest, wie würdest Du Computerspiele-Berichterstattung fördern?
Gar nicht, da ich den Posten ablehnen würde.

Danke, Fabu!

Noch bis zum 09. April können Beiträge für den Medienpreis Games eingereicht werden!
www.medienpreis-games.de/