Judith Liere ist leitende Redakteurin für Kultur, Lifestyle + Sport beim stern und Jurorin beim #mpg18. In unserem Juror*innen-Interview erfahren wir von ihr, warum Computerspiele beim stern noch nicht den gleichen Stellenwert redaktioneller Aufmerksamkeit besitzen wie Bücher oder Filme:

1. Welchen besonderen Moment oder Menschen in Deinem Leben verbindest Du mit einem Computerspiel?
Meine prägendste, weil erste Computerspielerinnerung wird für immer Guybrush Threepwood aus den Monkey-Island-Adventures sein. Das war Anfang der 1990er, aber auch fast 30 Jahre später mache ich immer noch machmal den Witz: „Hinter dir! Ein dreiköpfiger Affe!“

2. Du hast selbst schon Journalistenpreise eingeheimst. Welche Bedeutung hatte das für Dich und Deinen beruflichen Werdegang?
Ich habe bislang eher die kleinen, skurrilen Preise gewonnen, also statt Nannenpreis oder Reporterpreis etwa den “Young European Journalist Award“ der EU-Kommission oder den Karibik-Journalistenpreis. Das ist jetzt nicht unbedingt ein fetter Angeberpunkt im Lebenslauf, aber man lernt bei diesen Preisverleihungen immer gute Kollegen kennen und kann sein Netzwerk erweitern.

3. Für den stern schreibst Du unter anderem die Buchrezensionen. Wann wird der stern auch regelmäßig Computerspiele so wie Bücher oder Filme besprechen?
Die Diskussion um Berichterstattung über Computerspiele kommt immer mal wieder auf. Der klassische stern-Leser ist jetzt aber eher kein Computerspieler, für unsere Zielgruppe ist das ein ziemliches Nischenprodukt, fürchte ich.

4. Hand aufs Herz: Wieviele Kulturredakteur*innen kennst du, die zocken?
Schon ein paar. Allerdings hauptsächlich FIFA-zockende Männer. Ansonsten gucken Kulturredakteure in ihrer Freizeit ununterbrochen Serien.

5. Warum schaffen es Computerspiele, abgesehen von den Gewalt- und Suchtthemen, eher selten in die Breitenmedien?
Weil sie als Nischenprodukt wahrgenommen werden. Das ist sicher auch eine Generationenfrage – die klassischen großen Printmedien etwa haben ja meist eine etwas ältere Leserschaft, also nicht unbedingt Menschen, die mit Computerspielen aufgewachsen sind. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren?

Danke für deine Worte, Judith!

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