Foto: Gerald von Foris

Dirk von Gehlen ist Autor und  Journalist und wohnt in München. Wenn er nicht gerade für die Süddeutschen Zeitung schreibt, schreibt er Blogbeiträge und Bücher. Zuletzt ist von ihm “Das Pragmatismus-Prinzip” erschienen, ein Ratgeber, der hilft Entwicklungen der Zukunft besser einzuschätzen und Neuem eher gelassen ¯\_(ツ)_/¯ und gestaltend zu begegnen. Im Juroren-Interview verrät er, warum er sich gerade auf die Jury-Arbeit beim Medienpreis Games freut.

Hallo Dirk, bei der Süddeutschen Zeitung leitest du die Abteilung Social Media/Innovation. Was kann man sich darunter vorstellen? Was fällt so alles in deinen Aufgabenbereich?
Medien sind in einem sehr grundlegenden Wandel. Meine Aufgabe ist es, diesen zu begleiten – und in fast allen Bereichen Antworten auf die Fragen zu suchen: Was bedeutet das für uns? Wie sollten wir reagieren? Dabei bewege ich mich ständig auf der Grenze zwischen den klassisch getrennten Abteilungen. Je nach Stimmung ist das ein Platz zwischen allen Stühlen oder eine äußerst spannende Schnittstellen-Tätigkeit.

Du interessierst dich für Pop- und Netzkultur, die du auch viel in deinem Blog “Digitale Notizen” thematisiert. Wie passen Games für dich in dieses Themenfeld?
Ich beantworte das mal mit einer Abwandlung eines Tocotronic-Songtitels: “Ich wünschte ich würde mich für Games interessieren”. In dem Lied bezog sich Dirk von Lowtzow in den 90er Jahren auf Tennis und sang: “Es wäre unbedingt ein Leben mit mehr Sinn”. Gleiches gilt heute für mich und Games. Sie sind unbestreitbar zentraler Bestandteil der Popkultur – aber ich finde keinen Zugang.

Du schreibst gerade an einem neuen Buch. Magst Du uns verraten, wovon es handelt?
Vom Internet. Dafür interessiere ich mich weit mehr.

Der Shruggie ¯\_(ツ)_/¯ ist Symbol für den von dir geprägten Begriff des Kulturpragmatismus. Darunter verstehst du die möglichst wertneutrale Beobachtung von Entwicklungen in der Digitalkultur. Welche Beobachtungen macht der Shruggie denn zum Games-Journalismus?
Der Shruggie kennt sich noch weniger als ich mit Games aus. Und meiner Einschätzung nach ist der Games-Journalismus ein Genre, das sich ausschließlich an Menschen richtet, die sich (um im Bild zu bleiben) bereits für Tennis interessieren. Leuten, die sich – wie ich – gerne für Games interessieren würden, wird nur selten eine Brücke gebaut. Deshalb freue ich mich auf die Jury-Arbeit, denn vielleicht gelingen mir dabei neue Zugänge zum Thema.

Mit welchen Kriterien wirst du dich dem Games-Journalismus als Juror nähern? Was macht für dich guten Journalismus aus?
Ich glaube, es gibt unabhängig vom Thema der Berichterstattung ein paar Kriterien, die guten vom sehr guten Journalismus unterscheiden: Welche Sprache wählt er? Gibt es eine Dramaturgie? Einen Spannungsbogen? Und vor allem die Fähigkeit: Gelingt es, die Aufmerksamkeit von Menschen zu erreichen, die nicht vorher schon Fans waren. Das unterscheidet klassischen Journalismus von reiner Fan-Berichterstattung – und deshalb traue ich mich auch, Mitglied einer Jury für Games-Journalismus zu sein.

Danke, Dirk!

Mehr zum Medienpreis Games erfahren? Hier lang: www.medienpreis-games.de/ oder  @mpgames_de.