Heiko Gogolin ist strategischer Leiter bei den Rocket Beans und bereits seit knapp 20 Jahren in der Computerspiele-Berichterstattung tätig. Für den Medienpreis Games fungiert er als Jury-Mitglied. Für uns hat sich Heiko zum Computerspiele-Journalismus in Deutschland geäußert.

 

Hallo Heiko, was vermisst du grundsätzlich im deutschen Computerspiele-Journalismus?

Ich vermisse vor allem Qualität. Ich bin zwar ein großer Freund der Demokratisierung von Produktionsmitteln, denn ich finde es toll, dass jeder Texte schreiben und diese dann im Internet publizieren kann. Dass jeder zu Hause Videos schneiden oder mit seinem Handy und Facebook live senden kann. Aber diese Pluralität von Stimmen hat nicht automatisch Qualität zur Folge. Qualität braucht Zeit, Zeit kostet wiederum Geld.

Das heißt, guter Journalismus ist erst möglich, wenn viel Geld dahinter steckt?

Es gibt großartige Inhalte, die zu Hause produziert werden, aber vieles wird erst dann möglich, wenn ein großes Budget dahinter steht. Durch die “Demokratisierung der Produktionsmittel”, wie ich es genannt habe, wurden teilweise diese Budgets entwertet, weil es heutzutage vorausgesetzt wird, dass die Leute neben einem Text noch Fotos machen oder Videos schneiden. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen ein Bewusstsein für Qualität entwickeln, damit auch größere Verlage oder Medienhäuser Geld investieren und damit ermöglichen, Content auf hohem, internationalen Niveau zu produzieren.

Welche Rolle kann Rocket Beans TV dabei einnehmen?
Rocket Beans ist ein TV-Sender, der sich nicht nur mit Spielen beschäftigt. Wir haben auch diverse Showformate, dementsprechend sind wir kein Medium, dass sich nur auf Games konzentriert. Aber insgesamt würde ich sagen, dass wir durch dieses riesige Becken – 24 Stunden Programm, acht Stunden neuer Content jeden Tag – eine große Fläche zum Experimentieren zur Verfügung haben, die natürlich dabei hilft, gute Ideen mit Bewegtbildern umzusetzen. Auch wenn im Internet viel zum Thema Games-Journalismus veröffentlicht wird, ist das Medium noch lange nicht ausgeschöpft. Dafür wurde im Computerspiele-Journalismus bisher viel zu wenig mit dem Bewegtbild gemacht. Es hat einfach noch keine jahrzehntelange Geschichte, weil früher eher klassische Medienhäuser am Ruder waren. Dementsprechend ist es immer noch spannend zu experimentieren.

Was sind das für Experimente?

Wir fragen uns: Was kann man machen, was kann man eventuell auch gemeinsam mit der Community machen? Im Gegensatz zu vielen anderen Youtubern senden wir auch live, was hilft, direktes Feedback von den Zuschauern zu bekommen. So entstehen vielleicht auch Dinge, die nicht geplant waren. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Ich glaube, Rocket Beans kann zwar ein wunderbares Experimentierfeld sein, ist aber leider noch nicht in der Lage, immer und überall die gewünschte Qualität zu liefern, da dafür das Budget an einigen Stellen fehlt. Aber mein Traum ist, dass wir irgendwann weiteren hochwertigen Content finanzieren können.

Zum Abschluss noch eine Frage, die uns im Seminar beschäftigt hat: Sind Let’s Plays ein journalistisches Format oder nicht?
Das ist tatsächlich eine schwierige Frage. Ich würde per se “Ja” sagen. Ich vertrete zwar auch eine alte journalistische Schule, ich gehöre sozusagen zu den Opas im Computerspiele-Journalismus. Da muss man aufpassen, dass man nicht elitär wird und dann sagt: “Wir haben früher noch richtige Texte geschrieben, und ihr setzt euch hin, schmeißt auf twitch.tv die Kamera an und streamt einfach, um euch dann Journalisten zu nennen”. Deswegen würde ich sagen, aus dem egalitären Kulturverständnis, was ich trotz aller Begeisterung für Qualität habe, dass Let’s Player auch Journalisten sind.

Das war es! Vielen Dank für deine Zeit, Heiko.

Interview von Fabian Brandtner