Petra Fröhlich, Chefredakteurin der GamesWirtschaft, hat mit uns schon im #MPGPodcast Folge 3 über Games-Journalismus gesprochen. Im Juroren-Interview durften wir nochmal nachhaken und erfahren unter anderem, wo es bei Boulevard-Medien noch Luft nach oben gibt, wenn sie über Games berichten.

Hallo Petra, du hast 22 Jahre lang für Computec Media gearbeitet und warst Chefredakteurin von unter anderem der PC Games. Welche Grundsätze für Games-Journalismus hast du von dort mitgenommen und welche hast Du dort etabliert?
In meiner Funktion habe ich versucht, den externen und internen Druck von der Redaktion nach Möglichkeit fernzuhalten oder zumindest abzumildern. Das konnte natürlich nicht immer vollumfänglich gelingen, aber zumindest war es mein Anspruch, damit die Redakteure in Ruhe und nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten können. Denn je größer die Reichweite eines Mediums, desto mehr steigt der Kesseldruck und der Versuch der Einflussnahme auf allen nur denkbaren Ebenen – dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um das Spiel eines kleinen, engagierten Entwicklers handelt oder aber um eine Neuheit eines internationalen Konzerns.

Du hast dich 2015 umorientiert und bist jetzt Gründerin und Chefredakteurin von gameswirtschaft.de, welche neuen Herausforderungen kamen damit auf dich zu?
Die Herausforderungen lagen und liegen insbesondere im technischen Bereich. Man lernt täglich hinzu. Alleine der Facebook-Algorithmus und dessen Auswirkungen auf Reichweite und Traffic haben sich seit Launch im Jahr 2016 gefühlt fünf Mal verändert. Weil ich im Gegensatz zu früher keinen reinen Produktjournalismus mehr betreibe, hat sich zwangsläufig auch das Spektrum der Ansprechpartner geändert – inzwischen sind es mehrheitlich Verbände, Behörden, Messegesellschaften, Politiker, Kanzleien, Agenturen, Plattformbetreiber und natürlich Gründer und CEOs.

Kannst du dir vorstellen,  das Thema Games jemals ganz aus deinem Arbeitsfeld zu streichen?
Im Jahr 2015 habe ich eine bewusste, berufliche Spiele-Pause eingelegt – durchaus mit dem Ziel, mich thematisch noch einmal neu zu orientieren und andere Themenfelder zu beackern. Das hat auch gut geklappt und die dazugehörigen Websites betreibe ich nach wie vor, aber mir fehlte die Tagesaktualität und die Schnelllebigkeit des News-Geschäfts. Um es mit Loriot zu sagen: Ja, natürlich ist ein Berufsleben auch ohne Games möglich, aber sinnlos. 😉

Als Profi im Games-Journalismus hast du ein ständiges Auf und Ab miterlebt, wenn es um die Anerkennung von Computerspielen in den Breitenmedien ging. Wo stehen wir damit heute?
Natürlich findet die Games-Berichterstattung in den Mainstream-Medien viel regelmäßiger und ausführlicher und intensiver statt als noch vor zehn Jahren. Insbesondere die Tonalität hat sich geändert, auch wenn gerade Boulevard-Medien noch regelmäßig über das Ziel hinausschießen. Bei SPIEGEL ONLINE oder bei der Süddeutschen oder bei ZEIT Online und weiteren Angeboten beschäftigt man sich nach meiner Beobachtung sehr gewissenhaft mit dem Thema Games. Zuweilen würde ich mir wünschen, dass die Botschaften und Zahlen von Lobby-Verbänden oder Spieleherstellern genauer und hartnäckiger hinterfragt werden. Vieles wird unreflektiert aufgenommen und weitergetragen.

Welchen Einfluss hoffst du mit deiner Jury-Arbeit beim Medienpreis Games zu haben?
Wenn die Jury ihren Job gut macht, dann wird sich in den Preisträgern die ganze Bandbreite und Vielfalt und Qualität der Medienlandschaft wiederspiegeln. Gerade im Podcast- und Webvideo-Segment wird die Auswahl hart werden, weil sich hier in den vergangenen Jahren wahnsinnig viel getan hat. Aus meiner Perspektive war der Medienpreis Games längst überfällig, um die Arbeit der Journalisten und Autoren hinreichend zu würdigen.

Danke für deine Mühe, Petra!

Noch bis zum 09. April können Beiträge für den Medienpreis Games eingereicht werden!
www.medienpreis-games.de/